Hände weg von unserem Sozialstaat! Mario Draghi, der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) ruft das Ende des Sozialstaats aus. Die Konsequenzen sind vielen ÖsterreicherInnen anscheinend nicht bewusst, denn sonst müsste der Aufschrei der Empörung lauter sein. Als Begründung nennt Draghi die hohe Jugendarbeitslosigkeit in vielen EU-Ländern. Ein Blick auf die Sozialausgaben verschiedener Länder beweist jedoch, dass eine niedrige Sozialquote weder ein Garant für weniger Arbeitslosigkeit, noch für geringe Staatsschulden ist. Im Gegenteil! Gerade Österreich und Deutschland mit ihren korporatistischen Wohlfahrtssystemen, in denen starke Gewerkschaften mit den Arbeitgebern und der Regierung gemeinsam über das Sozialwesen bestimmen, konnten ihr Beschäftigungsniveau fast wie vor der Krise erhalten und damit den Einbruch der Staatseinnahmen verhindern.
Alois Pillichshammer:
„Warum wollen immer mehr Unternehmen den bestehenden Kollektivvertrag kündigen? Im KV wird ein umfangreiches Paket von Rechten und Vereinbarungen festgeschrieben, die für alle Unternehmen einer Branche gültig sind - ua Sonderzahlungen, Arbeitszeitfragen, Dienstort, Kündigungsfristen, Abfertigung etc. Viele Beschäftigte werden dadurch besser gestellt, als es gesetzliche Mindeststandards vorsehen. Je höher der Anteil an Gewerkschaftsmitgliedern in einer Branche ist, desto besser sind auch die Kollektivverträge. Bevor man nun in Erwartung eines mageren Geschäftsjahres die Vorstands- und Aufsichtsratsgagen kürzt, will man den MitarbeiterInnen nicht nur Nulllohnrunden zumuten, sondern vorsichtshalber auch gleich die im KV abgesicherten Rahmenbedingungen verschlechtern.“
Wie der Hunger in die Welt kam – die Spekulation mit dem täglichen Brot ist fast ebenso so alt wie die geschriebenen Erinnerungen der Menschheit, stellt die Organisation foodwatch fest. Waren es früher die antiken Herrscher, welche den Getreidemarkt zwecks Machterhalt streng kontrollierten, so treiben heute die modernen „Hungermacher“ wie Deutsche Bank, Goldman Sachs & Co die Lebensmittelpreise durch „Futures“ genannte Wetten in astronomische Höhen.
Rechtzeitig beantragen - Eigener Reisepass für Kinder ab 15. Juni 2012 für alle Auslandsreisen Pflicht. Der Elternpass bleibt gültig. Die Anwesenheit der Kinder bei der Passbehörde ist für die Identitätsprüfung unbedingt erforderlich. Für Kinder bis zum vollendeten zweiten Lebensjahr beträgt die Gültigkeitsdauer des Reisepasses zwei Jahre. Ab dem zweiten Geburtstag bis zum vollendeten zwölften Lebensjahr muss der Reisepass für ein Kind alle fünf Jahre erneuert werden. Ab dem zwölften Lebensjahr wird ein Reisepass mit Fingerabdruck mit zehnjähriger Gültigkeit ausgestellt. Die Gebühr für den Kinderreisepass mit Chip beträgt 30 Euro.
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Hände weg von unserem Sozialstaat! Während EZB-Chef Draghi billige Geldgeschenke an Banken verteilt, verlangt er von den Staaten Sparen um jeden Preis. Es gibt aber keinen nachweisbaren Zusammenhang zwischen Staatsverschuldung, Sozialausgaben und Jugendarbeitslosigkeit. Gerade die von den Neoliberalen oft geschmähten Sozialstaaten Österreich und Deutschland weisen neben der mit Abstand geringsten Arbeitslosigkeit auch nur eine mittlere Staatsverschuldung auf.
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in % des BIP |
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in % |
Land |
Steuereinnah. |
Staatsschulden |
Sozialausgaben |
Jugendarbeits- |
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Sozialbeiträge |
Progn. 2012 |
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losigkeit 01/12 |
Schweden |
45,6 |
34,6 |
32,3 |
22,4 |
Finnland |
43,4 |
51,8 |
30,3 |
20,1 |
Dänemark |
46,6 |
44,6 |
33,4 |
14,6 |
Österreich |
42,4 |
73,3 |
30,8 |
8,9 |
Deutschland |
39,3 |
81,2 |
31,4 |
7,8 |
Frankreich |
44,4 |
89,2 |
33,1 |
23,3 |
Italien |
43,4 |
120,5 |
29,8 |
31,1 |
Griechenland |
33,9 |
198,3 |
28,0 |
48,1 |
Portugal |
33,8 |
111,0 |
26,9 |
35,1 |
Spanien |
31,9 |
73,8 |
25,0 |
49,9 |
Slowakei |
28,7 |
47,5 |
18,8 |
36,0 |
Lettland |
27,9 |
45,1 |
16,8 |
29,9 |
Rumänien |
28,1 |
35,8 |
17,1 |
23,8 |
Quelle: Kurier |
hohe Werte |
mittlere Werte |
niedrige Werte |
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Um die Tragweite einer Forderung nach dem Ende des Sozialstaates zu begreifen, ist es wichtig, seine vielfältigen Aufgaben zu kennen. Er kann zwar die Ungerechtigkeit nicht aus der Welt schaffen, aber zumindest die Ungleichheit soweit vermindern, dass Benachteiligten ein menschenwürdiges Leben ermöglicht wird und die größten Lebensrisken wie Armut, Krankheit, Behinderung, Arbeitslosigkeit und Alter abgesichert sind. Dabei ist es ein großer Unterschied, ob Betroffene einen Rechtsanspruch auf Leistungen haben oder als Bittsteller von Almosen abhängig sind. Selbst im „reichen“ Österreich sind rund 13% der Bevölkerung armutsgefährdet – ohne sozialstaatliche Leistungen sogar 40% - darunter rund 400.000 Frauen ohne eigenen Pensionsanspruch. Geht es nach den Forderungen der Neoliberalen, so sollte die staatliche Pension bestenfalls eine Minimalvariante sein, welche gerade noch vor dem Hungern und der Obdachlosigkeit bewahrt. Das Ziel der SPÖ-geführten Regierungen war und ist es jedoch, dass PensionistInnen den gewohnten Lebensstandard nach dem Berufsleben annähernd beibehalten können. Dazu ist nur ein funktionierendes staatliches System in der Lage. Alle Privatvorsorgen können bestenfalls ein Zusatz für diejenigen sein, welche sich die Zahlungen während ihrer aktiven Zeit leisten können. Aber selbst eine zusätzliche betriebliche oder private Altersvorsorge bietet Aufgrund der großen Schwankungen am Anlagemarkt und der langen Laufzeiten wenig Sicherheit hinsichtlich ihrer Höhe. Allein 2008 erlitten die österreichischen Pensionskassen einen Verlust von 12,93%. Berechnungen von Wirtschaftswissenschaftern ergaben, dass nur bei einer durchschnittlichen Verzinsung von 5,5% in einer 40-jährigen Ansparphase wie auch in der geschätzten Pensionsphase von 20 Jahren das Niveau der vereinbarten Pensionszahlung gehalten werden kann. Bereits bei einem Absinken der Rendite auf 3,5% beträgt die Differenz zur in Aussicht gestellten Pensionszahlung bei Pensionsantritt minus 48 Prozent! Alternativ dazu müsste der jährliche Sparbetrag um 92 Prozent angehoben werden.
Ähnlich stellt sich die Lage am Gesundheitssektor dar. Das staatliche System ist erwiesenermaßen fairer, gerechter, leistungsfähiger und kostengünstiger. Während private Krankenversicherungen nach möglichst hohem Gewinn streben, eine (teure) Risikoselektion betreiben, um Menschen aufgrund ihrer Familiengeschichte, ihrer beruflichen Tätigkeit, vor allem aber wegen früherer Krankheiten abzulehnen, erhalten alle Versicherten unserer gesetzlichen Krankenkassen die notwendige medizinische Versorgung – unabhängig von ihren persönlichen Vorbelastungen oder Versäumnissen. Private Versicherungen müssen aber im Sinne ihrer Eigentümer, der Aktionäre, handeln und Gewinne erwirtschaften. Das bedeutet, dass sie zwar Prämien kassieren, aber möglichst wenig für Behandlungen ausgeben sollen. So werden die Kosten für eine Operation wortwörtlich als „medizinische Verluste“ bezeichnet. An Vorsorgemaßnahmen herrscht geringes Interesse. Dagegen fallen deutlich mehr Kosten für Bürokratie und Werbung an.
Nur ein funktionierender Sozialstaat mit starken Gewerkschaften sorgt für eine faire Umverteilung von oben nach unten. Dazu gehört ein kostenloses Bildungssystem ebenso wie die Förderung von Familien, von leistbaren Wohnungen und Pflegediensten sowie eine entsprechende Infrastruktur auch abseits der Hauptstädte. Zum Sozialstaat gehört auch ein faires Arbeitsrecht. Hinter der neoliberalen Forderung nach mehr Flexibilität steht in Wahrheit das Verlangen nach dem Ende des Kündigungsschutzes, dem Aus für Kollektivverträge und Mindestlöhne, einer Minimierung des Arbeitslosengeldes sowie vieler anderer Rechte. Nur wenn wir alle uns gemeinsam mit ÖGB und AK gegen den Abbau des Sozialstaates zur Wehr setzen, können wir verhindern, dass viele von uns in Zukunft rechtlose Almosenempfänger werden!
Wie der Hunger in die Welt kam - Etwa eine Milliarde Menschen auf der Welt hungern und sind unterernährt, mit bleibenden Schäden für ihre Gesundheit, ohne Perspektive für ihr Leben. Neben Missernten, einem Rückgang der Ölförderung und einem steigenden Verbrauch von Getreide und Mais für Bio-Treibstoffe, zeichnen die Finanzmärkte für die eklatanten Preissteigerungen der letzten Jahre verantwortlich. Allein im Jahr 2010 stiegen die Nahrungsmittelpreise um ein Drittel. Allein dadurch wurden weitere 40 Millionen Menschen zusätzlich in absolute Armut gestürzt. Es gab aber auch einen anderen Rekord: Bis Ende März 2011 haben Kapitalanleger wie Versicherungen und Pensionsfonds 600 Milliarden Dollar in die von den Investmentbanken und Hedgefonds aufgelegten Papiere für Wetten mit Rohstoffen, darunter Mais und Weizen, investiert.
Schon die Pharaonen unterhielten eine staatliche Getreideverwaltung. So könnte der biblische Joseph, der in Ägypten Getreidespeicher für Mangelzeiten anlegte, einer der ersten Spekulanten gewesen sein. Die Regierungen des antiken Athens steuerten ebenso wie die chinesischen Kaiser den Getreidehandel mit harter Hand. Aus diesen Zeiten stammt auch eine allgemeine moralische Ächtung der Spekulation mit Nahrung, welche in nahezu allen Religionen ihren Niederschlag fand. Sogar aus dem Lissabon-Vertrag der EU lässt sich eine Verpflichtung zur Regulierung der Spekulation mit Rohstoffen ableiten. Mit der Erfindung der Geldwirtschaft im 16. Jhd kauften Händler in Amsterdam und Antwerpen erstmals ganze Schiffsladungen mit Getreide, die erst in der Zukunft landen sollten. Der Staat als Verwalter der Nahrungsreserven wurde zunehmend unbedeutender, private Unternehmen traten an seine Stelle. Bis Ende der 1990er Jahre hatte aber der Handel mit Getreide und anderen Rohstoffen noch geringe Bedeutung. Die Preise richteten sich vor allem nach den zu erwartenden Ernten. Der Anteil aller Kontrakte, die aus rein spekulativen Zwecken gehandelt wurden, war selten höher als 20 Prozent. Doch mit dem Platzen der Internet-Blase und dem allgemeinen Einbruch der Aktienmärkte nach der Jahrtausendwende suchten Pensionsfonds und andere Investoren nach Alternativen – der Anlage in Rohstoffen. Die Investmentbank Goldman Sachs hatte bereits die Instrumente dazu entwickelt. Sie bot den Anlegern an, ihr Kapital in Verwaltung zu nehmen und für sie sogenannte Futures zu kaufen. Damit konnten sie an Gewinnen und Verlusten teilnehmen, ohne selbst handeln zu müssen. Futures gab es nämlich schon lange. Und schon der amerikanische Präsident F. D. Roosevelt hatte es 1936 für nötig befunden, ihre Höchstzahl zu begrenzen, um der Spekulation am Getreidemarkt Einhalt zu bieten. Futures waren ursprünglich Warentermingeschäfte, welche für Käufer und Verkäufer einen fixen Preis für ein in der Zukunft liegendes Geschäft absichern sollten, um bei großen Vorhaben eine längerfristige Kalkulation zu ermöglichen. Am Ende stand der Austausch von Ware und Geld. Nach der Entgrenzung der Finanzmärkte wurden aber rein finanzbezogene Future-Kontrakte entwickelt. Von der Schuldenkrise in Lateinamerika, der Krise der asiatischen Schwellenländer und Russlands in den 1980-er bzw 1990-er Jahren bis hin zur derzeitigen globalen Finanzkrise haben vor allem die Finanzmärkte das Geschehen geprägt. Jetzt hatte die Spekulation auch die Rohstoffmärkte ergriffen. Man geht davon aus, dass mehr als 600 Milliarden Dollar im Rohstoffgeschäft angelegt sind, ohne dass ein einziges Kilo davon tatsächlich gehandelt wird. Ein Riesengewinn für die Banken und Anleger. Ein unermesslicher Verlust für die hungernde Bevölkerung in armen Ländern. Diese kann sich nun oft nicht einmal mehr den Mais und das Getreide leisten, welches sie selbst angebaut hat! http://foodwatch.de/foodwatch/content/e10/e45260/e45263/e45318/foodwatch
Wann kommen endlich die Karten auf den Tisch?
Wer wird bei der A1TA in Zukunft das Sagen haben? Telenor, Orascom, Vimpelcom oder gar ein Überraschungskandidat? Die Fäden laufen bei Investor Ronny Pecik zusammen, der nach langem Leugnen nun offiziell gemeldet hat, über 20,118 % der TA Aktien zu verfügen und mindestens 25 % anzustreben, um kräftig umrühren zu können. Nach dem Börsegang dezimierte die privatisierungswütige schwarzblaue Regierung den ÖIAG Anteil an den TA Aktien in Riesenschritten. Daher ist unsere durch Skandale und Managementfehler geschwächte A1TA nun ein begehrtes Spekulationsobjekt auf dem für Übernahmen immer enger werdenden europäischen Markt. Die Agentur Moody´s senkte die Bewertung TA von A3 um einen Punkt auf Baa1. Wie falsch der Rückzug des Staates als Mehrheitseigentümer war, zeigt sich hier einmal mehr. Einzig der jetzt noch verbliebene Staatsanteil von 28,42 % verhinderte eine Herabstufung um zwei Punkte.
Arbeitsklima-Index – die Auswertung legt offen, wie stark die Salzburger MitarbeiterInnen belastet sind. Die hohe Beteiligung von 48 % aller KollegInnen österreichweit hat der Personalvertretung die Legitimation erteilt, beim Unternehmen mit Vehemenz auf Verbesserungen zu drängen. PAT-Vorsitzender Stv. Günther Bernert vertritt die Salzburger KollegInnen bei der eigens eingerichteten Arbeitsgruppe des ZA in Wien, VPA Vorsitzender Alois Pillichshammer ist vor Ort dienststellenbezogen um Abhilfe bemüht.
Wie geht es ArbeitnehmerInnen in anderen Ländern? Gibt es globale ArbeitnehmerInnen und Menschenrechte? Acht Kernarbeitsnormen werden von der International Labour Organisation (ILO), einer Teilorganisation der UNO, als Mindeststandard vorgegeben. 183 UNO-Mitglieder haben sich zur Einhaltung verpflichtet. Doch die Realität sieht anders aus. Selbst die wichtigsten Prinzipien, wie die Abschaffung der Kinderarbeit, werden häufig unterlaufen. So schuften allein in Guatemala über 900.000 Kinder unter 14 Jahren für unsere tägliche Tasse Kaffee.
Steuerlöscher der AK: Bis März können unter der Hotline-Nummer 0662/-86 87 86 die persönlichen Beratungstermine vereinbart werden. Achtung: Gewerkschaft und PensionistInnenvertreter haben erreicht, dass für kleinere Ruhegenüsse anstelle des gestrichenen Alleinverdienerfreibetrages der erhöhte Pensionistenabsetzbetrag berücksichtig wird.
Wer wird in der A1 TA das Sagen haben? Der österreichische Selfmade-Millionär und Investor Ronny Pecik, Sohn kroatischer Gastarbeiter, hält offiziell über das Konstrukt seiner RPR-Privatstiftung und der Marathon Zwei Beteiligungsgesellschaft 20,1 % der TA-Aktien. Insider vermuten, dass er über Schweizer Banken bald über 29% verfügt und somit mit der ÖIAG auf gleicher Höhe liegt. Von ÖVP-Finanzministerin und Privatisierungsfanatikerin Fekter wurde sein Einstieg freudig begrüßt. Um eine feindliche Übernahme zu verhindern, beauftragte der TA-Vorstand im Oktober die US-Investmentbank Merill Lynch, die Bewegungen am Aktienmarkt zu analysieren. Diese Abwehrpläne wurden ohne Angabe von Gründen aufs Eis gelegt, nachdem sich CEO Ametsreiter mit Pecik getroffen hatte. Aber unabhängig davon, wie viele Anteile dieser tatsächlich besitzt, mitbestimmen kann er bereits jetzt. Und er tut es. Die Senkung der Dividenden entsprach sowohl seinem Wunsch als auch dem der Personalvertretung. In Vorstand und Aufsichtsrat möchte Pecik ebenfalls weitgreifende Änderungen erzwingen. So werden ua Finanzvorstand Hans Tschuden sowie die stv. Präsidentin des Aufsichtsrats, Edith Hlawati, in den Medien ganz offen als Ablösekandidaten gehandelt. Zu Ametsreiter gibt es derzeit keine Aussagen. Marktkenner gehen davon dass, dass Pecik bald eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen wird. Mit Hilfe einiger Kleinaktionäre kann er neue Aufsichtsräte wählen lassen, diese wirken dann bei der Vorstandsbestellung mit. ZA-Vorsitzender Walter Hotz ist von dieser Aussicht nicht begeistert: „Es geht nicht um Pecik als Person, aber die Telekom braucht jetzt dringend Ruhe.“ Pecik betont im Format-Interview, dass er keine Arbeitsplätze abbauen will. Im Gegenteil! Die Telekom soll wachsen. Aber eines ist klar: Alle werden mehr arbeiten müssen. Ich will zwei Gänge hinaufschalten.“ Personalvertretung und eine starke Gewerkschaft werden wichtiger sein denn je, um die ohnehin überbelasteten MitarbeiterInnen zu schützen. Pecik bestätigt, seinen Anteil wieder weiterverkaufen zu wollen, will aber nicht als Spekulant bezeichnet werden. Er habe zwar große Gewinne gemacht, aber auch Firmen wie A-Tec, Grazer Capital Bank oder VA-Tech aufgebaut bzw erfolgreich restrukturiert.
Doch wer sind die potenziellen Käufer? Zwei Namen stehen im Vordergrund. Die ägyptische Orascom mit dem Milliardär Naguib Sawiris an der Spitze sowie der norwegische Riese Telenor (108 Mio Teilnehmer) unter dem Vorstandsvorsitzendem Jon Fredrik Baksaas, einem renommierten Ökonomen. Beide sind mit der russischen Vimpelcom fusioniert, die mit 174 Mio Teilnehmern der fünftgrößte Telekomanbieter weltweit ist. Vimpelcom CEO, der Oligarch Michail Fridman, setzt auf Zukäufe jenseits der russischen Grenze. Der ägyptische Christ Sawiris, dessen Familie vor allem im Tourismus- und Immobiliengeschäft Milliarden scheffelte, steht derzeit nicht nur wegen seiner Religionszugehörigkeit unter großem Druck. Er wurde vom neuen ägyptischen Regime mehrfach beschuldigt, unter Präsident Mubarak Land unter viel zu günstigen Bedingungen erworben zu haben. Wegen der derzeit in Ägypten herrschenden Rechtsunsicherheit stoßen Anleger überdies scharenweise Orascom-Aktien ab. Der Preis ist allein im letzten Jahr um 70% gesunken. Der Schuldenberg der Orascom soll fünf Milliarden US-Dollar betragen und dadurch die Verschuldung der Vimpelcom auf sagenhafte 25,7 Milliarden Dollar erhöhen.
Die norwegische Telenor, welche manchen Expansionsbestrebungen ihres Partners Vimpelcom skeptisch gegenüberstand, möchte Anteile an der A1 TA jedoch nicht auf die Sperrminorität beschränken. Sie wünscht sich 51%, was auch von Sawiris unterstützt würde. Dieser ist als Großaktionär der Vimpelcom wiederum zu 31,67% an der Telenor beteiligt. Dafür müsste sich aber die ÖIAG von den Staatsanteilen trennen. Derzeit gibt es jedoch keinen Privatisierungsauftrag der Regierung. Dieser wird solange die SPÖ an der Spitze steht, auch nicht erteilt werden. Eine Totalprivatisierung birgt das Risiko, dass sogar der Manager eines Hedgefonds Vorstandsvorsitzender werden könnte und somit Behördenstatus hätte. Zwar wären die MitarbeiterInnen weitgehend durch das verfassungsrechtlich verankerte Poststrukturgesetz geschützt, aber viele Leistungen sind nur in Betriebsvereinbarungen abgesichert. Darüber hinaus würden hochsensible Daten und wertvolles technisches Knowhow ans Ausland ausgeliefert. Sogar der Wert des Unternehmens, das von den Vorständen jahrelang ausgehöhlt wurde, würde noch weiter sinken. Das bestätigt das Rating der Agentur Moody´s, welches ausdrücklich auf den positiven Einfluss des Staatsanteils bei seiner Bewertung hinweist. Wie schon 2003 muss unsere Devise erneut lauten. „Ausverkauf, nicht mit uns!“ Dafür lohnt es sich zu kämpfen!
Arbeitsklima-Index – 283 Salzburger MitarbeiterInnen haben beigetragen, die Belastungen der A1TA MitarbeiterInnen aufzuzeigen und so für die Personalvertretung eine Grundlage für verbessernde Forderungen zu schaffen. Ein besonderer Dank ergeht daher an alle diese KollegInnen. Das Ergebnis zeigt, dass in manchen Bereichen dringend gehandelt werden muss. Dabei sind neben den für alle Fachbereiche geltenden, flächendeckenden Erfordernissen individuelle, regionale Analysen und Gespräche mit den zuständigen Führungskräften nötig. Die Ergebnisse der Umfrage brachten zu Tage, dass es auch innerhalb einzelner Fachbereiche zu großen Unterschieden in Art und Intensität der Belastungen kommt. Hier bemüht sich vor allem die regionale PV – unterstützt durch Hinweise der dort beschäftigten KollegInnen – um Abhilfe. Die größte Unzufriedenheit rufen die Geschäftsführung und das beschädigte Ansehen der TA hervor. Aber auch fehlende Aufstiegs-, Entwicklungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten werden verstärkt bemängelt. Mit der Arbeitszeitregelung ist ein großer Teil der MitarbeiterInnen zufrieden. Hier konnte die PV in weiten Teilen die Wünsche der MitarbeiterInnen durchsetzen. Kollegialität wird ganz groß geschrieben. Von den Kunden fühlen sich die meisten KollegInnen ebenfalls anerkannt, was wiederum für ihre gute Leistung und Kundenorientierung spricht. Unzufriedenheit herrscht vielerorts über den Arbeitsumfang. Die größte Belastung erfolgt jedoch durch den Zeitdruck. Von diesem bleibt keine Dienststelle verschont. In einigen hat er sicher schon gesundheitsgefährdende Ausmaße erreicht. Die Hauptursachen stellen unzureichende technische Systeme dar, gefolgt von ständigem Wechsel der Arbeitsabläufe sowie technischen und organisatorischen Veränderungen. Art und Weise der Informationsvermittlung führt ebenfalls zu vermeidbarer Belastung. Zu den meist genannten gesundheitlichen Beschwerden zählen Muskelverspannungen, Rücken- und Kreuzschmerzen sowie Augenprobleme. MitarbeiterInnen der ehemaligen Mobilkom verspüren durch die Fusion mehr Nachteile als ihre KollegInnen aus der Telekom. Salzburger MitarbeiterInnen blicken aber wesentlich weniger pessimistisch in die Zukunft als der Durchschnitt der A1 Beschäftigten. Die größten Befürchtungen werden wegen einer weiteren Erhöhung des Arbeitsdrucks gehegt. Ein Einbruch der eigenen Motivation und Arbeitsfreude wird jedoch in Salzburg in wesentlich geringerem Ausmaß erwartet als österreichweit. Die zukünftige wirtschaftliche Lage der A1TA sieht man sogar ausgesprochen positiv.
Wie geht es ArbeitnehmerInnen in anderen Ländern? Die 1919 gegründete Internationale Arbeitsorganisation (ILO) legt in acht sogenannten Kernarbeitsnormen vor allem die die vier Prinzipien Vereinigungsfreiheit (Recht auf Gründung von Gewerkschaften und auf Kollektivvertragsverhandlungen), Verbot der Zwangsarbeit, Abschaffung der Kinderarbeit sowie ein Diskriminierungsverbot fest. Diese Normen sind auch in den wichtigsten globalen Menschenrechtsabkommen verankert. Viele renommierte, auf ihr Image bedachte Unternehmen versichern, auf die Einhaltung dieser Grundrechte bei Produzenten und Zulieferern zu achten. So auch Nespresso und Tchibo. Ein Lokalaugenschein in den schwer bewachten Fincas im Hochland von Guatemala, in Mexiko oder Nicaragua offenbart aber die traurige Realität. Bereits achtjährige Kinder brechen den Schulbesuch ab, um für Großgrundbesitzer zu schuften, welche die eingeborene Maya-Bevölkerung um Grund und Boden beraubt haben. Sie werden nicht nur zum Pflücken der roten Kaffeekirschen eingesetzt. Viele schleppen tagtäglich 50 kg schwere Säcke – oft weit mehr als ihr Körpergewicht – mehrere hundert Meter zu den Verladestellen. ArbeitnehmerInnenrechte sind unbekannt. Das hält die Kaffeepreise niedrig. Setzen sich Gewerkschafter und Mitarbeiter kirchlicher Organisationen für die Ausgebeuteten ein, erhalten sie Morddrohungen oder werden verhaftet. Konfrontiert man die Manager der großen Kaffeeanbieter mit den Missständen, stellen sie sich unwissend. Dass es auch anders gehen kann, beweisen Fairtrade-Produkte. Hier werden Arbeitsbedingungen, Löhne und Umweltschutz durch eine Zertifizierungsstelle laufend überwacht.